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Mittelgebirge - Referenzartenanzahl < 10 / "artenarm"


relevante Qualitätsmerkmale:

  1. Arten- und Gildeninventar
  2. Artenabundanz und Gildenverteilung
  3. Altersstruktur
  4. Migration
  5. Fischregion
  6. Dominante Arten

Qualitätsmerkmal: 1. Arten- und Gildeninventar

bewertungsrelevante Parameter (inkl. Kriterien):

Tabelle 1: Bewertungsrelevante Parameter, nach DUßLING 2008a.


textliche Erläuterung:

Für dieses Qualitätsmerkmal erfolgt ein Vergleich der Anzahl der Arten innerhalb der Kategorien "Typspezifische Arten", "Begleitarten" sowie "anadrome & potamodrome Arten". Desweiteren werden die Anzahlen von Habitat-, Reproduktions- und Trophiegilden der Referenz mit denen der nachgewiesenen Fischzönosen verglichen. Die prozentuale Abweichung der Arten- oder Gilden-Anzahl der Fischzönose von den Referenzwerten bestimmt das Bewertungsergebnis und ist als Indikator für die Habitatausstattung des Gewässerabschnitts sowie der benachbarten Bereiche zu werten. Zusätzlich sollte der ökologischen Durchgängigkeit ein Einfluss auf das Bewertungsergebnis zukommen.

Der Nichtnachweis einer Gilde oder Art muss nicht zwangsläufig aus dem Fehlen oder der schlechten Qualität eines geeigneten Habitats resultieren. Arten können ebenso durch die Störungsvergangenheit, fehlendes Wiederbesiedlungspotential, Prädation oder unangepasste fischereiliche Bewirtschaftung fehlen. Die Abwesenheit einer typspezifischen Art mit einem hohen Referenz-Anteil (> 0,2 %) bewirkt eine zusätzliche Abwertung. Letzteres deutet auf eine Beeinflussung des Gewässers oder den Eintrag/Besatz gebietsfremder Arten hin.

Umweltfaktoren mit großer Bedeutung für das Bewertungsergebnis:

stoffliche Belastung (Nährstoffindex, TOC-Konzentration)

Besonderheit: Der (Einzel-) Parameter Anzahl anadromer & potamodromer Arten ist eher an den Faktor ökologische Durchgängigkeit des Gesamtgewässernetzes gekoppelt als an die lokalen Habitatbedingungen der Probestelle. als an die lokalen Habitat-bedingungen der Probestelle.

besondere Indikatorfunktion der Parameter für maßnahmerelevante Umweltfaktoren:

Tabelle 2: Maßnahmerelevante Umweltfaktoren mit Bedeutung für das Bewertungsergebnis von Einzelparametern (Korrelation zwischen Parameterbewertung und Umweltfaktor: positiv (+), negativ (-); k. A. = keine Analyse möglich).


Qualitätsmerkmal: 2. Artenabundanz und Gildenverteilung

bewertungsrelevante Parameter (inkl. Kriterien):

Tabelle 3: Bewertungsrelevante Parameter, nach Dußling 2008a


textliche Erläuterung:

Es erfolgt ein Vergleich der Abundanzen der Leitarten¹ sowie der Habitat-, Reproduktions- und Trophiegilden. Die prozentuale Abweichung der Abundanzen innerhalb der Fischzönose von den Referenzwerten bestimmt das Bewertungsergebnis und ist insbesondere als Indikator für die Habitatausstattung des Gewässerabschnitts und der benachbarten Bereiche zu werten.

Die geringe Abundanz einer Gilde oder Art muss nicht ursächlich mit dem Fehlen oder der schlechten Qualität eines Habitats im Zusammenhang stehen.

Abundanzverschiebungen können ebenso durch die Störungsvergangenheit, fehlendes Wiederbesiedlungspotential, Prädation oder unangepasste fischereiliche Bewirtschaftung verursacht sein.

¹ Leitarten sind Arten mit einem Individuen-Anteil >= 5 % in der Referenzzönose

Umweltfaktoren mit großer Bedeutung für das Bewertungsergebnis:

Beschaffenheit der Sohle1 (Substratdiversität, besondere Sohlstrukturen) und stoffliche Belastung (Saprobie, Nitrit-Konzentration) sowie pH-Wert

¹Die Ergebnisse der Einzelparameter aus dem umfangreicheren Datensatz weisen weitere strukturelle Faktoren als wichtige Größe für die Artabundanz und Gildenverteilung aus.

besondere Indikatorfunktion der Parameter für maßnahmerelevante Umweltfaktoren:

Tabelle 4: Maßnahmerelevante Umweltfaktoren mit Bedeutung für das Bewertungsergebnis von Einzelparametern (Korrelation zwischen Parameterbewertung und Umweltfaktor: positiv (+), negativ (-); k. A. = keine Analyse möglich; "-" = keine aussagekräftigen Analyseergebnisse).


Qualitätsmerkmal: 3. Altersstruktur

bewertungsrelevante Parameter (inkl. Kriterien):

Tabelle 5: Bewertungsrelevante Parameter, nach DUßLING 2008a.


textliche Erläuterung:

In diesem Qualitätsmerkmal wird die Ausgewogenheit der Altersstruktur der Leitarten¹,² innerhalb der nachgewiesenen Fischzönose überprüft. Sowohl geringe Anteile von 0+-Fischen als auch niedrige Anteile älterer Altersklassen bewirken eine Verschlechterung des Bewertungsergebnisses, da in diesem Fall nicht von einer kontinuierlichen, erfolgreichen Reproduktion der Art ausgegangen werden kann.
Häufige Ursachen für eine unausgeglichene Altersstruktur sind:

¹ Leitarten sind Arten mit einem Individuen-Anteil >= 5 % in der Referenzzönose
² Der Aal ist bei diesem Qualitätsmerkmal nicht bewertungsrelevant.

Umweltfaktoren mit großer Bedeutung für das Bewertungsergebnis:

Beschaffenheit der Sohle (Sohlsubstrat) und stoffliche Belastung (TOC-Konzentration)

besondere Indikatorfunktion der Parameter für maßnahmerelevante Umweltfaktoren:

besondere Uferstrukturen (+), Substratdiversität (+), Nährstoffindex (-), Saprobienindex (-), Phosphor (-), Nitrit (-), Ammonium (-), Magnesium (-)


Qualitätsmerkmal: 4. Migration

bewertungsrelevante Parameter (inkl. Kriterien):

Tabelle 6: Bewertungsrelevante Parameter, nach DUßLING 2008a (MIP = Migrationsindex der Probestelle; MIR = Migrationsindex der Referenzzönose).


textliche Erläuterung:

Die Fischarten unserer Fließgewässer sind je nach Artzugehörigkeit und Habitat-ausstattung des Gewässers für eine erfolgreiche Vollendung ihres Lebenszyklusses auf mehr oder weniger ausgedehnte Migrationsbewegungen angewiesen. Entsprechend ihrer Wanderdistanzen ist jede Art einer Migrationsgilde zugeordnet (DUßLING 2008a). Aus der Anzahl der Individuen pro Migrationsgilde ("Kurzdistanz", "Mittel- bis Kurzdistanz", "Mitteldistanz"...) im Bezug zur Gesamtindividuen-Anzahl errechnet sich der Migrationsindex (MI) (vgl. DUßLING 2008b). Er ist ein Maß für die Mobilität des Fischbestandes. Unterschreitet der MI der nachgewiesenen Fischzönose den der Referenzzönose (MIR), wird dies als Hinweis auf eine beeinträchtigte Längs-durchgängigkeit des Gewässers gewertet. Die jeweils gültigen Grenzen für die Bewertungsklasse sind abhängig vom MI der Referenzzönose und werden in der Bewertungstabelle des fiBS ausgegeben. Das Fehlen oder die geringe Abundanz der Gilden mit Ortswechseln über weite Distanzen muss nicht zwangsläufig auf eine eingeschränkte Längsdurchgängigkeit hindeuten. Als Ursachen kommen ebenso die Störungsvergangenheit, fehlendes Wiederbesiedlungspotential sowie Prädation in Frage. Zur Interpretation der Ergebnisse sind darum mindestens Zusatzinformationen zu Querbauwerken im Gewässersystem erforderlich.

Umweltfaktoren mit großer Bedeutung für das Bewertungsergebnis:

erhöhte maximale Wassertemperatur¹

¹ möglicherweise im Zusammenhang mit multiplen kleineren Stauhaltungen

besondere Indikatorfunktion der Parameter für maßnahmerelevante Umweltfaktoren:

Sohlsubstrat (+)¹, Wassertemperatur-Maximum (-)², Minimum (+)²

¹eine natürliche Sohlbeschaffenheit findet sich vor allem in stauunbeeinflussten Gewässerabschnitten, wo Wehre in unmittelbarer Nähe fehlen, viele der Mittel-, Mittel-lang und Langdistanzwanderer sind lithophil und somit an natürliches kieshaltiges Sohlsubstrat gebunden
²möglicherweise im Zusammenhang mit multiplen kleineren Stauhaltungen


Qualitätsmerkmal: 5. Fischregion

bewertungsrelevante Parameter (inkl. Kriterien):

Tabelle 7: Bewertungsrelevante Parameter, nach DUßLING 2008a (FRIges, P = Fischregionsindex der Probestelle; FRIges, R = Fischregionsindex der Referenzzönose).


textliche Erläuterung:

Der längszonale Charakter eines idealisierten Fließgewässers spiegelt sich in einer fischregionstypischen Zusammensetzung der Fischzönosen wider. Der Grund hierfür sind relativ feststehende Verbreitungsschwerpunkte der einzelnen Arten im Längskontinuum, die sich numerisch mit einem artspezifischen Fischregionsindex FRIi ausdrücken lassen. Aus diesem lässt sich über Mittelwertbildung ein FRIges für die Gesamtfischzönose berechnen (DUßLING et al. 2004).

Anthropogene Beeinträchtigungen verändern häufig den natürlichen längszonalen Charakter eines Gewässers, was sich in einer Verschiebung des FRIges widerspiegelt. Erhöhte Strömungskräfte infolge Begradigungen führen zu einer Rhithralisierung (verringerter FRIges). Stauhaltungen bewirken hingegen infolge verringerter Strömungskräfte eine Potamalisierung (erhöhter FRIges). Die zulässige Abweichung des FRI ges der nachgewiesenen Fischzönose von dem der Referenzzönose ist abhängig von der Gewässerregion, also dem FRIges der Referenzzönose.

Umweltfaktoren mit großer Bedeutung für das Bewertungsergebnis:

stoffliche Belastung (Saprobie, TOC-Konzentration, Chlorid-Konzentration)
Ergänzung: Die Ergebnisse des Einzelparameters Fischregionsindex aus dem umfangreicheren Datensatz (siehe Indikatorfunktion Parameter) weisen zusätzlich Rückstau als wichtige bestimmende Größe aus.

besondere Indikatorfunktion der Parameter für maßnahmerelevante Umweltfaktoren:

Rückstau (-), Saprobienindex (-), TOC (-)


Qualitätsmerkmal: 6. Dominante Arten

bewertungsrelevante Parameter (inkl. Kriterien):

Tabelle 8: Bewertungsrelevante Parameter, nach DUßLING 2008a.


textliche Erläuterung:

Mit diesem Qualitätsmerkmal wird überprüft, ob die Leitarten der Referenz innerhalb der nachgewiesenen Fischzönose in referenzähnlichen Abundanzen vorkommen. Das Fehlen von Leitarten lässt auf eine Veränderung der Lebensbedingungen und eine stoffliche oder strukturelle Beeinträchtigung des Gewässers schließen. Unabhängig davon kommen aber auch die Störungsvergangenheit, ein fehlendes Wieder-besiedlungspotential oder starke Prädation als Ursache in Betracht.

Umweltfaktoren mit großer Bedeutung für das Bewertungsergebnis:

Uferstruktur und stoffliche Belastung (Saprobie, Nährstoffindex, Chlorid-Konzentration)
Ergänzung: Die Ergebnisse des Einzelparameters Leitartenindex (LAI) aus dem umfangreicheren Datensatz (siehe Indikatorfunktion Parameter) weisen neben den Ufern weitere strukturelle Faktoren als bestimmende Größe aus.

besondere Indikatorfunktion der Parameter für maßnahmerelevante Umweltfaktoren:

besondere Sohlstrukturen (+), besondere Uferstrukturen (+), Breitenvarianz (+), Nährstoffindex (-), Saprobienindex (-), Gesamtphosphor (-), Nitrit (-), Ammonium (-), TOC (-), Magnesium (-)


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© 2018Universität Duisburg Essen | Datum: 17.01.2018
Online: http://perlodes.de/kurzdarstellungen/fischfauna/artenarme-mittelgebirgsgewaesser/index.php