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Typ 5: Grobmaterialreiche, silikatische Mittelgebirgsbäche


Relevante Bewertungsmodule:

„Saprobie“, „Allgemeine Degradation“, „Versauerung“


Modul „Saprobie“:

Tabelle 1: Grundzustand und Klassengrenzen des Saprobienindex

Grundzustand
Metric-Werte der Klassengrenzen
Metric-Typ
Metric-Name
KG 1/2
KG 2/3
KG 3/4
KG 4/5
T
Saprobienindex
1,35
1,45
2,00
2,65
3,35

Textliche Erläuterung:

Der Gewässertyp zeichnet sich durch einen vergleichsweise niedrigen sapro­biellen Grundzustand aus. Bedingt durch eine aufgrund der Höhenlage geringe Wassertemperatur, eine weitgehende Beschattung des Wasserkörpers sowie die Rauhigkeit der Sohle mit einer daraus induzierten turbulenten Strömung wird in ausreichendem Maße atmosphärischer Sauerstoff in die Gewässer eingebracht. Trotz eines hohen exogenen Eintrages organisch abbaubaren Materials ist die Autosaprobität vergleichsweise gering, da, aufgrund des hohen Beschattungs­grades, die Primärproduktion innerhalb der Gewässer auf ein niedriges Niveau beschränkt bleibt.


Modul „Allgemeine Degradation“:

Tabelle 2: Ankerpunkte und Metric-Werte der Core Metrics

Ankerpunkte
Metric-Werte der Klassengrenzen
Metric-Typ
Core Metric-Name
oben
unten
KG 1/2
KG 2/3
KG 3/4
KG 4/5
Z/A
EPT [%] (HK)
70,00
20,00
60,00
50,00
40,00
30,00
T
Fauna-Index Typ 5
1,55
-1,10
1,02
0,49
-0,04
-0,57
F
Hyporhithral-Besiedler [%]
8,00
28,00
12,00
16,00
20,00
24,00
F
Rheoindex (HK)
1,00
0,60
0,92
0,84
0,76
0,68

Erläuterung der Metric-Auswahl:

Die Grobmaterialreichen, silikatischen Mittelgebirgsbäche zeichnen sich im naturnahen Zustand durch grobe Sohlsubstrate (Steine, Schotter), ein vielfältiges, vorherrschend turbulent und schnelles Fließverhalten (Rheoindex (HK)) sowie ausgedehnte Schotter- und Kiesbänke mit gut ausgeprägtem Interstitial aus. Es herrschen hinsichtlich Strömung, Sauerstoff und niedrigen Wassertemperaturen anspruchsvolle Arten vor, die längszönotisch dem Epi- und Metarhithral zuzuord­nen sind; Hyporhithral-Arten sind mit deutlich geringeren Arten- und Individuenanteilen vertreten (Hyporhithral-Besiedler [%]). Aufgrund der großen Habitatvielfalt dieses Bachtyps ist die Makrozoobenthoszönose sehr artenreich. Ephemeroptera, Plecoptera und Trichoptera können in naturnahen Gewässern dieses Typs bis zu 70 % der vorkommenden Individuen stellen (EPT [%] (HK)). Die strukturelle Vielfalt bedingt das Vorkommen speziell angepasster, anspruchsvoller Arten (Fauna-Index Typ 5).

EPT [%] (HK): Ein hoher Anteil EPT-Taxa an den Gesamtindividuen indiziert u. a. eine hohe Strukturvielfalt und eine natürliche Habitatzusammensetzung. Niedrige Werte des Metrics (<= 50 %) deuten auf ein Artendefizit sowie verschobene Arten- und Abundanzverhältnisse innerhalb dieser charakteristischen Gruppe hin. Ein Umweltfaktor, der die Höhe des Metric-Wertes beeinflusst, ist insbesondere der Waldanteil im Einzugsgebiet.

Fauna-Index 5: Der Index bewertet die Auswirkungen struktureller Degrada­tion auf Habitatebene (z. B. Vorkommen oder Fehlen bestimmter Mikrohabitate) und auf Einzugsgebietebene (z. B. verstärkte Sedimentation aus intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen). Höhere Werte des Metrics (> 0,49) indizieren ein strukturell intaktes Gewässer, bedingt durch das Vorkommen solcher Taxa, die bevorzugt Gewässer mit naturnaher Morphologie besiedeln (z. B. xylophage Köcherfliegen wie Lepidostoma hirtum oder Lype reducta).

Strukturelle Verarmung zeigt sich durch das Vorkommen von Taxa, die in Gewässern mit degradierter Morphologie verbreitet sind, wie beispielsweise Erpobdella octoculata oder Mystazides azurea. Faktoren, die die Höhe des Metric-Wertes bestimmen, sind insbesondere die Ausprägung der Breitenvarianz, das Vorhandensein besonderer Sohl- und Uferstrukturen sowie der Waldanteil im Einzugsgebiet.

Hyporhithral-Besiedler [%]: Der Anteil an Hyporhithral-Besiedlern ist in naturnahen Gewässern des Typs 5 vergleichsweise gering (<= 8 %), da sie in Bezug auf Strömung, Sauerstoff und niedrige Wassertemperaturen weniger anspruchsvoll sind als Epi- und Metarhithral-Arten und so bevorzugt in kleinen bis mittelgroßen Flüssen (EZG: 100-1.000 m²) vorkommen. Mögliche Ursachen für eine Erhöhung des Anteils an Hyporhithral-Besiedlern (>= 16 %) sind eine Störung des natürlichen Fließverhaltens (z. B. durch Aufstau) oder eine fehlende Beschattung und der damit verbundene Anstieg der Temperaturmittelwerte und -maxima. Weiterhin bestimmt wird die Höhe des Metric-Wertes durch Faktoren wie die Ausprägung der Breitenvarianz, das Vorhandensein besonderer Sohlstruk­turen sowie den Waldanteil im Einzugsgebiet.

Rheoindex (Ind.): Der Index gibt das Verhältnis der rheophilen und rheobionten Taxa eines Fließgewässers (z. B. Perla marginata oder Philopotamus sp.) zu den Stillwasserarten und Ubiquisten an und zeigt Störungen auf, die sich durch die Veränderung des Strömungsmusters (z. B. durch Ausbau und/oder Aufstau) in der Biozönose der Mittelgebirgsbäche einstellen. Ein weiterer Umweltfaktor, der die Höhe des Metric-Wertes bestimmt, ist der Anteil an Ackerflächen im Einzugsgebiet.


Modul „Versauerung“:

Bestimmten Säureindikatorarten wurde ein Wert zwischen 1 und 5 zugeordnet. Zur Bewertung einer Probe werden die Häufigkeitsklassen aller Indikatorarten, beginnend bei den säureempfindlichsten Taxa der Säureklasse 1, solange addiert, bis ein Schwellenwert von „4“ erreicht wird. Die Indikation, in der die Summe von 4 erreicht wird, bestimmt die Säurezustandsklasse.

Säureklassen (nach Braukmann & Biss 2004)

Textliche Erläuterung:

Grobmaterialreiche, silikatische Mittelgebirgsbäche sind, bedingt durch ihre Geologie, mit einem sehr geringen natürlichen Pufferungsvermögen ausgestattet und somit anfällig für eine langfristige weitergehende Verringerung des Säure­puffervermögens.


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© 2018Universität Duisburg Essen | Datum: 16.08.2018
Online: http://perlodes.de/kurzdarstellungen/bewertung/typ5/index.php