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Typ 4: Große Flüsse des Alpenvorlandes


Relevante Bewertungsmodule:

„Saprobie“, „Allgemeine Degradation“


Modul „Saprobie“:

Tabelle 1: Grundzustand und Klassengrenzen des Saprobienindex

Grundzustand
Metric-Werte der Klassengrenzen
Metric-Typ
Metric-Name
KG 1/2
KG 2/3
KG 3/4
KG 4/5
T
Saprobienindex
1,45
1,60
2,10
2,75
3,35

Textliche Erläuterung:

Trotz einer mäßig hohen Autosaprobität zeichnet sich der Gewässertyp durch einen für Flüsse vergleichsweise niedrigen saprobiellen Grundzustand aus. Grund hierfür sind im Wesentlichen die hohe Kontaktfläche zwischen Luft- und Wasserkörper („verwildertes“ Flussbett) sowie eine vergleichsweise niedrige Wassertemperatur.


Modul „Allgemeine Degradation“:

Tabelle 2: Ankerpunkte und Metric-Werte der Core Metrics

Ankerpunkte
Metric-Werte der Klassengrenzen
Metric-Typ
Core Metric-Name
oben
unten
KG 1/2
KG 2/3
KG 3/4
KG 4/5
Z/A
EPT [%] (HK)
70,00
15,00
59,00
48,00
37,00
26,00
T
Fauna-Index Typ 4
0,70
-1,80
0,20
-0,30
-0,80
-1,30
V/D
Anzahl EPTCBO
25,00
5,00
21,00
17,00
13,00
9,00
F
Rheoindex (HK)
0,80
0,35
0,71
0,62
0,53
0,44

Erläuterung der Metric-Auswahl:

Die Großen Flüsse des Alpenvorlandes zeichnen sich im naturnahen Zustand im Wesentlichen durch grobe Sohlsubstrate (Blöcke, Geröll, Kiese) und ein alpin geprägtes Abflussregime mit starken jahreszeitlichen Schwankungen aus (Rheoindex (HK)). Es herrschen hinsichtlich Strömung, Sauerstoff und niedri­gen Wassertemperaturen anspruchsvolle Arten vor. Aufgrund der großen Habitatvielfalt, insbesondere der verschiedenen Hartsubstrate, die kleinräumig mit kiesig-sandigen Bereichen durchsetzt sind, ist die Makrozoobenthoszönose der Voralpenflüsse sehr artenreich (Anzahl EPTCBO). Ephemeroptera, Plecoptera und Trichoptera stellen in naturnahen Gewässern dieses Typs bis zu 70 % der vorkommenden Individuen (EPT [%] (HK)). Die besonderen Bedin­gungen hinsichtlich Abflussregime und Substrat bedingen das Vorkommen speziell angepasster, anspruchsvoller Arten (Fauna-Index Typ 4).

EPT [%] (HK): Ein hoher Anteil EPT-Taxa an den Gesamtindividuen indiziert u. a. eine hohe Strukturvielfalt und eine natürliche Habitatzusammensetzung. Niedrige Werte des Metrics (<= 48 %) deuten auf ein Artendefizit sowie verschobene Arten- und Abundanzverhältnisse innerhalb dieser charakteristischen Gruppe hin. Die Höhe des Metric-Wertes wird u. a. von der Nutzungsintensität im Einzugsgebiet beeinflusst.

Fauna-Index Typ 4: Der Index bewertet die Auswirkungen struktureller Degra­dation auf Habitatebene (z. B. Vorkommen oder Fehlen bestimmter Mikro­habi­tate) und auf Einzugsgebietebene (z. B. verstärkte Sedimentation aus intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen). Höhere Werte des Metrics (> -0,30) indi­zieren ein strukturell intaktes Gewässer, bedingt durch das Vorkommen solcher Taxa, die bevorzugt Gewässer mit naturnaher Morphologie besiedeln (z. B. strömungsliebende Hartsubstratbesiedler wie die Käfer Esolus parallelepipedus oder Ochthebius exsculpus). Strukturelle Verarmung zeigt sich durch das Vorkommen von Taxa, die in Gewässern mit degradierter Morphologie verbreitet sind, wie beispielsweise Caenis sp. oder Mystacides sp. Faktoren, die die Höhe des Metric-Wertes beeinflussen, sind die Gewässerstrukturgüte und die Nutzungsintensität im Einzugsgebiet.

Anzahl EPTCBO: Die Gruppe der EPTCBO-Taxa (Ephemeroptera, Plecoptera, Trichoptera, Coleoptera, Bivalvia, Odonata) stellt in naturnahen Großen Flüssen des Alpenvorlandes einen erheblichen Teil der vorkommenden Taxa (> 17 Taxa), darunter zahlreiche spezialisierte Arten, die kennzeichnend für die sauerstoffreichen, schnellfließenden Abschnitte oder die kiesig-sandigen Ablage­rungen sind. Niedrige Werte des Metrics (z. B. durch Massenentwicklung weniger Arten) lassen u. a. auf Strukturarmut, unzureichende Sauerstoffversorgung oder eine durch Gewässerausbau vereinheitlichte Strömung schließen. Ein Parameter, der das Vorkommen von EPTCBO-Taxa beeinflusst, ist die Gewässerstruktur­güte.

Rheoindex (HK): Der Index gibt das Verhältnis der rheophilen und rheobionten Taxa eines Fließgewässers (z. B. Oreodytes septentrionalis oder Baetis lutheri) zu den Stillwasserarten und Ubiquisten an und zeigt Störungen auf, die sich durch die Veränderung des Strömungsmusters (z. B. durch Ausbau und/oder Aufstau) in der Biozönose der Voralpenbäche einstellen. Ein weiterer Faktor, der die Höhe des Metric-Wertes bestimmt, ist die Nutzungsintensität im Einzugsgebiet.


Modul „Versauerung“:

Für diesen Gewässertyp nicht relevant.

Textliche Erläuterung:

entfällt


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© 2018Universität Duisburg Essen | Datum: 25.06.2018
Online: http://perlodes.de/kurzdarstellungen/bewertung/typ4/index.php