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Typ 17: Kiesgeprägte Tieflandflüsse


Relevante Bewertungsmodule:

„Saprobie“, „Allgemeine Degradation“


Modul „Saprobie“:

Tabelle 1: Grundzustand und Klassengrenzen des Saprobienindex

Grundzustand
Metric-Werte der Klassengrenzen
Metric-Typ
Metric-Name
KG 1/2
KG 2/3
KG 3/4
KG 4/5
T
Saprobienindex
1,75
1,85
2,30
2,90
3,45

Textliche Erläuterung:

Der Gewässertyp zeichnet sich durch einen vergleichsweise hohen saprobiellen Grundzustand aus, der auf die erhöhte Autosaprobität zurückzuführen ist. Der natürliche Eintrag organisch abbaubaren Materials endogener wie auch exogener Herkunft ist in der Menge vergleichbar mit dem der Gewässertypen 9 und 15. Aufgrund des im Vergleich zu Typ 9 deutlich geringeren Gefälles und höherer Mitteltemperaturen wird jedoch deutlich weniger Sauerstoff ins Gewässer einge­tragen. Die saprobiellen Verhältnisse des Typs 17 sind somit vergleichbar mit denen der Gewässertypen 15 und 15.2 (Sand- und lehmgeprägte Tieflandflüsse).


Modul „Allgemeine Degradation“:

Tabelle 2: Ankerpunkte und Metric-Werte der Core Metrics

Ankerpunkte
Metric-Werte der Klassengrenzen
Metric-Typ
Core Metric-Name
oben
unten
KG 1/2
KG 2/3
KG 3/4
KG 4/5
Z/A
EPT [%] (HK)
60,00
15,00
51,00
42,00
33,00
24,00
T
Fauna-Index Typ 15/17
1,10
-0,10
0,86
0,62
0,38
0,14
V/D
Anzahl Trichoptera-Arten
12,00
0,00
9,60
7,20
4,80
2,40
F
Litoral-Besiedler [%]
4,00
30,00
9,20
14,40
19,60
24,80

Erläuterung der Metric-Auswahl:

Die Kiesgeprägten Tieflandflüsse zeichnen sich im naturnahen Zustand durch ein gewundenes bis stark mäandrierendes Fließverhalten mit vorwiegend turbulenter, abschnittsweise auch ruhig fließender Strömung aus. Die dominierenden Sohl­substrate (stabile Kiesablagerungen, Steine und lagestabiler, detritusreicher Sand) werden von rheophilen Hartsubstratbesiedlern dominiert, Arten der Stillwasserzonen sind mit sehr geringen Anteilen vertreten (Litoral-Besiedler [%]). Ephemeroptera, Plecoptera und Trichoptera stellen in naturnahen Ge­wäs­sern dieses Typs aufgrund der guten Sauerstoffversorgung und des vielfältigen Angebotes an Hartsubstraten bis zu 60 % der vorkommenden Individuen (EPT [%] (HK)). Dieser sehr dynamische Flusstyp ist artenreich und wird von zahlreichen, an die Strömung angepassten, sauerstoffbedürftigen Arten besiedelt (Fauna-Index Typ 15/17), darunter verschiedene Köcherfliegenarten (Anzahl Trichoptera-Arten).

EPT [%] (HK): Ein hoher Anteil EPT-Taxa an den Gesamtindividuen indiziert u. a. eine hohe Strukturvielfalt und eine natürliche Habitatzusammensetzung. Niedrige Werte des Metrics (< 42 %) deuten auf ein Artendefizit sowie verschobene Arten- und Abundanzverhältnisse innerhalb dieser charakteristischen Gruppe hin. Ein wesentlicher Faktor, der die Höhe des Metric-Wertes beeinflusst, ist der Aufstau.

Fauna-Index Typ 15/17: Der Index ist hoch mit positiven Strukturelementen korreliert und bewertet somit vor allem die Auswirkungen struktureller Degrada­tion auf Habitatebene (z. B. Vorkommen oder Fehlen bestimmter Mikrohabitate), reagiert aber auch auf Beeinträchtigungen auf Einzugsgebietebene (z. B. verstärkte Sedimentation aus intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen). Höhere Werte des Metrics (> 0,62) indizieren ein strukturell intaktes Gewässer und sind bedingt durch das Vorkommen von Taxa, die bevorzugt Gewässer mit naturnaher Morphologie besiedeln (z. B. xylophage Arten wie der Käfer Macronychus quadrituberculatus oder Arten der Köcherfliegengattung Lype sp.).

Strukturelle Verarmung zeigt sich durch das Vorkommen von Taxa, die in Gewässern mit degradierter Morphologie verbreitet sind, darunter die Köcher­fliege Mystacides azurea. Faktoren, die die Höhe des Metric-Wertes bestimmen, sind insbesondere das Vorhandensein besonderer Uferstrukturen sowie der Aufstau des Gewässers.

Anzahl Trichoptera-Arten: Köcherfliegen sind in naturnahen Kiesgeprägten Tieflandflüssen mit zahlreichen, vielfach sauerstoffbedürftigen Arten vertreten (> 7 Taxa), die bevorzugt die schnell überströmten Kiesbänke besiedeln und das Vorkommen einer diversen Makrozoobenthoszönose indizieren. Typspezifische Arten sind u. a. Arten der Gattung Sericostoma sp., die sich vorwiegend als Zerkleinerer ernähren sowie die strömungsliebenden Arten Brachycentrus subnubilus und Odontocerum albicorne. Niedrige Werte des Metrics lassen u. a. auf ein gestörtes Fließverhalten und eine veränderte Substratzusammensetzung schließen. Ein weiterer Faktor, der das Vorkommen von Trichoptera-Arten beein­flusst, ist der Aufstau der Gewässer.

Litoral-Besiedler [%]: Der Anteil an Litoral-Besiedlern, Arten, die bevorzugt in den Uferzonen von Stillgewässern oder Stillwasserbereichen großer Flüsse siedeln, ist in naturnahen Gewässern des Typs 17 vergleichsweise gering (<= 4 %). Ist der Anteil an Litoral-Besiedlern (z. B. Lymnaea stagnalis, Molanna angustata) erhöht (>= 14,4 %), ist das natürliche Fließverhalten des Gewässers gestört. Mögliche Ursachen sind vor allem Stauhaltung und fehlende Beschattung mit dem dadurch bedingten Aufwuchs von größeren, stillwassertypischen Makrophytenbeständen. Weiterhin bestimmt wird die Höhe des Metric-Wertes durch den Siedlungsanteil im Einzugsgebiet.


Modul „Versauerung“:

Für diesen Gewässertyp nicht relevant.

Textliche Erläuterung:

entfällt


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© 2018Universität Duisburg Essen | Datum: 14.12.2018
Online: http://perlodes.de/kurzdarstellungen/bewertung/typ17/index.php