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Typ 12: Organisch geprägte Flüsse


Relevante Bewertungsmodule:

„Saprobie“, „Allgemeine Degradation“


Modul „Saprobie“:

Tabelle 1: Grundzustand und Klassengrenzen des Saprobienindex

Grundzustand
Metric-Werte der Klassengrenzen
Metric-Typ
Metric-Name
KG 1/2
KG 2/3
KG 3/4
KG 4/5
T
Saprobienindex
1,85
2,00
2,40
2,95
3,45

Textliche Erläuterung:

Der Gewässertyp zeichnet sich durch einen relativ hohen saprobiellen Grund­zustand aus. Ursache hierfür ist der relativ hohe endogene Anteil organisch abbaubaren Materials, die enge Verzahnung von Gewässer und Aue und eine aufgrund des niedrigen Gefälles vorherrschend langsame Strömung; der Eintrag atmosphärischen Sauerstoffs ist daher nur sehr eingeschränkt möglich.


Modul „Allgemeine Degradation“:

Tabelle 2: Ankerpunkte und Metric-Werte der Core Metrics

Ankerpunkte
Metric-Werte der Klassengrenzen
Metric-Typ
Core Metric-Name
oben
unten
KG 1/2
KG 2/3
KG 3/4
KG 4/5
Z/A
EPT [%] (HK)
50,00
0,00
40,00
30,00
20,00
10,00
T
Fauna-Index Typ 11/12
0,70
-0,80
0,40
0,10
-0,20
-0,50
V/D
Anzahl Trichoptera-Arten
7,00
0,00
5,60
4,20
2,80
1,40

Erläuterung der Metric-Auswahl:

Die Organisch geprägten Flüsse sind in naturnahem Zustand kaum einge­schnitten und weisen einen mäandierenden Verlauf mit zahlreichen Neben­gerinnen auf. Es dominieren sekundäre organische Sohlsubstrate wie Torf, Holz, Grob- und Feindetritus sowie größere Wasserpflanzenbestände; mineralischen Substraten (Sand, Kies) kommen in geringeren Anteilen vor. Das Fließverhalten ist vorwiegend ruhig und nur in kurzen Abschnitten turbulent und bedingt die Dominanz von Arten langsam fließender Bereiche. Die Habitatvielfalt der organischen Substrate führt zu einer artenreichen Makrozoobenthoszönose, wobei Ephemeroptera, Plecoptera und Trichoptera in naturnahen Gewässern dieses Typs bis zu 50 % der vorkommenden Individuen stellen (EPT [%] (HK)). Die organischen Sekundärsubstrate, darunter vor allem der hohe Anteil an organischem Feinmaterial, bedingt das Vorkommen speziell angepasster Arten (Fauna-Index Typ 11/12), darunter verschiedene Köcherfliegenarten (Anzahl Trichoptera-Arten).

EPT [%] (HK): Ein hoher Anteil EPT-Taxa an den Gesamtindividuen indiziert u. a. eine hohe Strukturvielfalt und eine natürliche Habitatzusammensetzung. Niedrige Werte des Metrics (< 30 %) deuten auf ein Artendefizit sowie verschobene Arten- und Abundanzverhältnisse innerhalb dieser charakteristischen Gruppe hin. Bestimmt wird die Höhe des Metric-Wertes durch das Vorhandensein von Längsbänken sowie besonderen Uferstrukturen.

Fauna-Index Typ 11/12: Der Index ist hoch mit positiven Strukturelementen korreliert und bewertet somit vor allem die Auswirkungen struktureller Degra­da­tion auf Habitatebene (z. B. Vorkommen oder Fehlen bestimmter Mikrohabitate), reagiert aber auch auf Beeinträchtigungen auf Einzugsgebietebene (z. B. verstärkte Sedimentation aus intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen). Höhere Werte des Metrics (>= 0,1) indizieren ein strukturell intaktes Gewässer und sind bedingt durch das Vorkommen von Taxa, die bevorzugt in Gewässern mit naturnaher Morphologie vorkommen (z. B. xylophage Taxa wie Macronychus quadrituberculatus und Lasiocephala basalis oder Leptophlebia vespertina, die vor allem in Blattansammlungen vorkommt). Strukturelle Verarmung zeigt sich durch das Vorkommen von Taxa, die in Gewässern mit degradierter Morphologie verbreitet sind, darunter die Eintagsfliege Caenis horaria oder die Köcherfliege Goera pilosa in größeren Individuendichten. Faktoren, die die Höhe des Metric-Wertes bestimmen, sind insbesondere besondere Lauf- und Uferstrukturen sowie die Strömungs- und Substratdiversität.

Anzahl Trichoptera-Arten: Köcherfliegen sind in naturnahen Organisch geprägten Flüssen mit einigen, teilweise spezialisierten Arten vertreten (>= 4 Taxa), die bevorzugt Sekundärsubstrate wie Totholz oder Makrophyten be­siedeln und das Vorkommen einer diversen Makrozoobenthoszönose indizieren. Typspezifische Arten sind u. a. Lasiocephala basalis sowie die moorliebende Art Oligotricha striata. Niedrige Werte des Metrics lassen u. a. auf Strukturarmut, z. B. durch das Fehlen der organischen Sekundärsubstrate schließen. Ein weiterer Faktor, der das Vorkommen von Trichoptera-Arten beeinflusst, ist die Substratdiversität.


Modul „Versauerung“:

Für diesen Gewässertyp nicht relevant.

Textliche Erläuterung:

entfällt


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© 2018Universität Duisburg Essen | Datum: 25.06.2018
Online: http://perlodes.de/kurzdarstellungen/bewertung/typ12/index.php